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Aktivitäten > Thema des Monats  |  Oktober 2011                                                                

Frauen, Fische, Fjorde. Ein Buch von Anne Siegel

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Ein Buch von Anne Siegel
Im April 1949 reist der isländische Bauernfunktionär Jón Helgasson mit einer heiklen Mission nach Lübeck: Er soll mit Hilfe des neuen Vizekonsuls Landarbeiterinnen für die abgelegenen Höfe Islands finden. Islands ländliche Gebiete leiden unter akutem Frauenmangel, im Nachkriegs-deutschland kommen auf einen Mann fünf Frauen. Im Laufe eines Jahres werden rund 450 Menschen nach Island auswandern, zum überwiegenden Teil Frauen. Sie bilden die bislang größte Einwanderergruppe auf Island, das im Jahr 1949 nur 140 000 Einwohner zählt. 
Die Bauernhöfe liegen in der Nähe des Polarkreises oder im abgeschiedenen Hochland, verfügen weder über Strom noch fließendes Wasser. Isländische Bauernfamilien leben häufig in einfachen Häusern aus Torf, deren Dach- und Fußbodenbeläge aus Grassoden bestehen, meist in einem einzigen großen Raum. Nach einer Phase der Eingewöhnung assimilieren sich die meisten der vom Krieg traumatisierten Frauen erstaunlich schnell. Sie haben einen Ort der Ruhe gefunden und nach Jahren des Hungers endlich wieder genug zu essen. 

Kaum eine der deutschen Landarbeiterinnen kehrt nach Deutschland zurück, fast alle bleiben in dem kalten, rauen Land. Sie heiraten Isländer und gründen in der neuen Heimat Familien. Die heute noch Lebenden erzählen fast alle zum ersten Mal ihre Lebensgeschichte. Für einige von ihnen ist es die letzte Chance, an ihre Geschichte zu erinnern. Das vorliegende Buch porträtiert sechs von ihnen. 

Die Autorin traf die mittlerweile hoch betagten Protagonistinnen vielfach noch in ihrem gewohnten Umfeld an. Sie schildert ihre Schicksale im Spiegel der Kriegswirren und des Niedergangs des Dritten Reiches und zeichnet ein stimmungsvolles Bild von Abschied und Ankunft, Rettung und Liebe, Freud und Leid in der neuen Heimat, dem Land der Vulkane.
Letztlich sind es fast ausnahmslos beglückende Geschichten mutiger Frauen in einem Land, das ihnen weit mehr Respekt und Rechte bietet als ihr Herkunftsland.

Das Buch erscheint am 10. Oktober 2011.
Mit einem Vorwort von Kristín Steinsdottír
Bucher Verlag Wien, Hohenems, 236 Seiten
Webauftritt von Frauen, Fische, Fjorde. 

Deutsche Einwanderinnen in Island und wie die Geschichte mich fand

Von Anne Siegel
Es war im April 2010 und das Internationale Frauenfilmfestival in Köln war soeben zuende gegangen. Früher hatte ich es einmal mit organisiert, heute bringe ich Inspirationen von überall aus der Welt mit.
So hatte ich auch Gréta Ólafsdóttir und Susan Muska, zwei Regisseurinnen, die besser bekannt sind unter dem Namen blessbless-Productions aus Amerika zum Festival geholt und sie hatten mit ihrer Dokumentation gerade den Publikumspreis gewonnen und sollten anderntags zurück nach New York reisen, als die Aschewolke des Eyjafjalljökull sich wie ein dunkler Schatten über Europa legte.
Das Festival war also nun vorbei und ein Trio amerikanischer Regisseurinnen hockte in einem Design-Hotel am Rhein in einer Stadt, die sie nicht kannten.
Amerikanisch trifft es dabei nicht ganz, denn Gréta ist ja Isländerin, lebt aber seit mehr als 20 Jahren hauptsächlich in den USA.
Eigentlich hatte ich schrecklich viel zu tun, aber die Vorstellung, dass sich ein Mensch, den ich mag, langweilen könnte, erschreckt mich immer ein wenig. Außerdem hatte ich dieses schöne alte Schwedencabrio, die Sonne lugte zum ersten Mal kräftig aus den Wolken hervor und das Leben war einfach zu kurz, um es nicht gemeinsam zu genießen fand ich.
Also verbrachten wir verrückt-schöne Tage miteinander. Mal rief ich eine Freundin aus dem Film-Setdesign an, die uns nun durch die Dekoration des neuesten David-Cronenburg-Kinofilms führte, der gerade in Köln gedreht wurde („und das hier ist das Arbeitszimmer von Siegmund Freud im Jahr 1911“), mal fuhren wir in ein altes Kloster auf dem Land.
Und eine gewisse Spannung lag in der Luft, denn man wusste ja nie, wann die Wolke sich verziehen und der Flugverkehr wieder frei gegeben werden würde.
Am fünften Tag saßen wir bei der Leiterin des Filmfestivals zu einem herrlichen Essen und einige an der Tafel lauschten der Erzählung dieser Frau, die in den 70er Jahren für ein Jahr in einer Fischfabrik auf Island gearbeitet hatte.
 „Am meisten wunderte mich“ so begann Silke ihre Erzählung, „dass da bei 
unseren Wanderungen auf dem Land so viele ältere deutsche Frauen unterwegs waren“.
Ich unterhielt mich eigentlich gerade mit einem Filmverleiher und hörte „quer“- eine schreckliche Angewohnheit, aber in mir steckt einfach diese Neugierde.
„Hör mal, Greta“ sagte Susan- „die hat Helga getroffen“. Und Greta sagte „ja, da leben ganz viele deutsche Frauen in der Generation meiner Mutter auf Island, ganz viele, die sind alle nach dem Krieg gekommen“ und in genau diesem Moment bekam ich eine Gänsehaut. Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich als Journalistin auf gute Themen stoße. Und so schaltete ich mich ein und fragte ungläubig: „warum wissen wir davon nichts in Deutschland?“
„Ja, warum wisst ihr eigentlich nichts davon in Deutschland?“ fragte auch Greta etwas ungläubig, denn in Island kenne schließlich jeder die Geschichte, meinte sie.
So begann das Abenteuer, das zunächst ein Dokumentarfilm werden sollte, bis mich ein Verlag darauf ansprach, ob ich nicht zunächst ein Buch schreiben wolle.
So brach ich auf nach Island und begann zu recherchieren, noch bevor ich den Buchvertrag unterzeichnet hatte.
Ein Jahr lang arbeitete ich an dem Buch, war vier Mal auf Island und die Insel, die so praktisch auf der Strecke zwischen meinen beiden Lebensorten, Köln und San Francisco liegt, hatte ich im Jahr davor sogar 12mal überflogen. Ich fand sie immer schon so wundervoll aus der Luft anzusehen, immer verspürte ich diese innere Aufgeregtheit im Flugzeug, wenn ich wusste: gleich kommt Island. Doch als ich ihren Boden betrat, fand ich sie vom ersten Moment noch so noch viel faszinierender, als aus der Luft.
Dieses Jahr hat mich sehr verändert. Sicher auch, weil ich nach drei Vierteln der Strecke feststellen musste, dass der Verlag überhaupt nicht zu mir passte. Ich hatte nicht einmal ein Mitspracherecht am Buch-Titel und der war schauderlich, dann warfen sie mich glatt raus und ich muss gestehen: das war das Beste, was mir seit langem passiert war. Plötzlich fühlte ich mich ganz frei und konnte endlich so schreiben, wie ich es in meinem Herzen für richtig befand. Und noch besser: ich fand eine Reihe von Verlagen, die mich gern unter Vertrag nehmen wollten. Und so gelangte ich an handwerklich seriöse, geradezu in die Literatur verliebte Kollaborateure in einem österreichischen Verlag.
Für den Katalog zur Buchmesse war es inzwischen viel zu spät, aber das Buch wurde so, wie ich es veröffentlichen wollte.
Es gab sogar ein besseres Budget, als beim ersten Projekt und ich durfte nach Herzenslust im Isländischen Foto-Nationalarchiv Fotos aus dem ländlichen Island der 40er Jahre „shoppen“ gehen.
Herrlich war allein dieser Tag im Archiv- diese wunderbaren Gesichter, und Szenen auf den Höfen der 40er Jahre, die teilweise ins Buch mit einflossen. Das war Freude und Genuss pur.

Island hat mich verändert. 

Auf eine gute Weise. Ich bin jetzt klarer, vielleicht auch, weil ich die große Ehre und Freude hatte, Geschichten sammeln zu dürfen, die so noch nie erzählt worden sind.

Manche von ihnen war sehr erschütternd, aber alle hatten und haben sie ein Happy End. Auch das liegt an Island und seinen einzigartigen Menschen. 

Köln, 5. Oktober 2011

 Úrsula

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„Es war vielleicht ganz gut, dass ich vorher nicht wusste, wohin ich da komme. Zunächst war das ein ziemlicher Kontrast zu allem, was ich bis dahin kannte. An die Abgeschiedenheit musste ich mich erst gewöhnen und dann, irgendwann, habe ich begonnen, das zu genießen.“


 Anita

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„Die Sprache lernte ich dann rasch, es sprachen ja alle nur Isländisch auf dem Hof und sie hatten Freude daran, es mir beizubringen. Ich glaube, ihr Leben war langweiliger, bevor ich kam.“


 Híldur

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„Für alle war das hier ganz natürlich, zu reiten. Ich fürchte, die haben auch noch nie jemanden gesehen, der sich so dämlich anstellte wie ich. Ich habe vielleicht drei Mal vorher auf einem Pferd gesessen, ich meine auf einem großen, richtigen Pferd. Vielleicht war das mein Problem, dass ich die Tiere zunächst nicht ganz ernst genommen habe.“


Diashow

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Anne Siegel erzählt zu Bildern aus dem Buch. 
Bitte auf das Bild klicken.


Frauen, Fische, Fjorde auf der Frankfurter Buchmesse 2011

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Halle 4.1/ D 100
Am Stand des Bucher Verlags


Anne Siegel im Gespräch in der WDR 3 Kultursendung Resonanzen

Soundcloud

Anne Siegel

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Anne Siegel wurde 1964 in Norddeutschland geboren. Studium der Volkswirtschaft, Sozialwissenschaften und Psychologie. Arbeitete als Dozentin, Werbetexterin, Ghostwriter. Heute lebt sie in San Francisco und Köln und arbeitet als Journalistin und Hörspielautorin für öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland sowie als Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin für US-Produktionen.  


Weitere Themen des Monats

November 2011: Claus Sterneck, Briefträger. Fotograf
Dezember 2011: Weihnachten: Rezepte, Gedichte, Geschichten
Januar 2012: Die Deutsche Bibliothek in Hafnarfjörður
Februar 2012: Tina Bauer, Text- und Fotojournalistin, Autorin und Bloggerin
März 2012: Das deutsch-isländische Wörterbuchprojekt
April 2012: Täglich Nachrichten aus Island. Die deutsche Iceland Review
Mai 2012: michaela tröscher, bildhauerin
Juni 2012: Tim Schütz. Ein Jahr in Island
Juli 2012: InReykjavik.is. Der neue deutsche Online-Reiseführer für Reykjavík
August 2012: Different III: Fotografien, Geräusche, Texte. Claus Sterneck in Djúpavík 

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